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Fred
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Anmeldungsdatum: 25.02.2007
Beiträge: 1160
Wohnort: Naunhof
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BeitragVerfasst: 2/8/2015, 23:12  Titel:  WENZELs 60ster im Admiralspalast, Berlin 31.7.15 Antworten mit ZitatNach untenNach oben

von BMO

Mann, war das ein Abend!
Aber wo schreibt man's hin? In die Kategorie "Ost-ROCK" passt's eher nicht so.
Aus der "Liedermacher"-Schublade hingegen ist er zu gründlich rausgewachsen.
Andererseits: In welche Schublade könnte Hans-Eckhardt WENZEL überhaupt passen?
Lassen wir ihn hier besser "Off Topic" und formulieren so: Der neben Gundermann vielleicht bedeutendste, kreativste und vielseitigste "Singer/Songwriter" ostdeutscher Prägung - und damit wohl der bedeutendste noch lebende - hatte sich zur Feier seines runden Geburtstages eine noble (lange im Voraus ausverkaufte) Adresse ausgesucht, und da es freie Platzwahl gab, wand sich die Schlange neugieriger Gratulanten schon anderthalb Stunden vor Beginn die Friedrichstraße entlang bis fast unter die S-Bahnbrücke.
Jede Menge Überraschungen waren angekündigt, von denen im Vorfeld nicht viel mehr durchgedrungen war als dass zum ersten Mal seit über 15 Jahren das mittlerweile beinahe sagenumwobene Clowns-Duo Wenzel/Mensching wieder gemeinsam auf der Bühne stehen würde. Zu DDR-Zeiten waren sie nach der Auflösung von "Karls Enkel" mit den permanent aktualisierten Programmen "Neues", "Altes" und "Letztes aus der DaDaEr" zu Kultfiguren einer staatlich mehr oder weniger "geduldeten" Gegenöffentlichkeit geworden, hatten den hassgeliebten Gegenstand ihrer beißenden Satire in der Nacht der Wiedervereinigung mit "Allerletztes aus der DaDaEr" im Gebäude der von ihnen längst zur "Epidemie der Künste" umgetauften Institution würdig verabschiedet (zum Schluss jaulend und bellend wie getretene Deutsche Schäferhunde) und dann - mit dem nächsten Stück "Hundekomödie" nahtlos weitergemacht. Später wurde es zunehmend melancholischer, auch irgendwie verkopfter, und irgendwann war wohl einfach die Luft raus. Mensching veröffentlichte wieder Romane, schrieb und bearbeitete Theaterstücke, arbeitete als Schauspieler, Dramaturg und Regisseur, wurde schließlich Intendant.
WENZEL konzentrierte sich auf die Musik und präsentierte sie künftig abwechseld solo, mit Band oder befreundeten Kollegen, brachte bis heute ca. drei Dutzend Alben heraus, oft mehrere pro Jahr, und erarbeitete sich einen Status als kongenialer Lyrik-Vertoner, der sogar Nora Guthrie, Tochter der Folk-Legende Woody Guthrie, in New York aufhorchen ließ, was in intensiver Arbeit an unveröffentlichten Texten des Vaters und zwei weiteren CDs mündete.
Ihr Auftritt war eine der Überraschungen des Abends. Zahlreiche folgten, nachdem Erfolgs-Regisseur und Hobby-Musiker Andreas Dresen (Prahl-Dresen-Band) mit zwei gemeinsam dargebotenen Songs den Anfang gemacht hatte, gefolgt vom Akkordeon-Gott Tobias Morgenstern und seiner speziell verfertigten musikalischen Hommage an den Jubilar.
Arnulf Rating, der Anfang der 80er mal mit seiner West-Berliner Kabarett-Truppe "Die 3 Tornados" auf Einladung von "Karls Enkel" quasi illegal im Osten aufgetreten war, gab mit einer sehr speziellen Presseschau den "Quoten-Wessi" in der Runde.
WENZEL-Freund Christoph Hein, der Dichter und Dramatiker, hatte eigens eine Szene für vier Schauspieler geschrieben, die in der Agentur des "Meisters" spielte und ihn ironisch als selbstverliebt-realitätsfernen Berufs-Weltretter porträtierte, wobei neben Dieter Montag als "Manager" und Steffen Mensching als "Büro-Praktikantin" (mit blonder Perücke) auch Hein selbst als "Briefträger" mitspielte, der abwechselnd Rechnungen, neue Babys von früheren Tournee-Spielorten und Einladungen zu Konzerten ohne Bezahlung (u.a. vom Bundespräsidenten...) zustellte. Großes Kino!
Ein Bläserensemble plus Tenor und Altistin präsentierte schließlich sogar noch eine klassische Urauffführung, in der ausnahmsweise der Lyriker WENZEL selbst vertont wurde, und zwischendurch schaffte es die Hauptperson des Abends samt Band irgendwie, noch ein komplettes, quicklebendiges Konzert in mehreren über die Show verteilten Sets unterzubringen, in dem u.a. auch seine "echten" Kinder prominente Beiträge lieferten.
Bereits in der Begrüßung hatte er angekündigt, wegen der zu erwartenden Überlänge auf eine Pause verzichten zu müssen, genoss aber die kleinen Auszeiten während der Gast-Beiträge von einem Tisch am Bühnenrand aus im "altersgerecht" bereitgestellten Ohrensessel.
Nur während der musiktheatralischen Einlage des Tuba-Virtuosen und Langzeit-Wegbegleiters Georg Schwark war er plötzlich verschwunden.
Als er kurz darauf in Kostüm und Maske seiner legendären Clownsfigur "WEH" wieder auftauchte, wusste man: Die Zeit für das mit einiger Spannung erwartete spektakuläre Finale war gekommen.
Und dann durften wir tatsächlich noch einmal erleben, wie Mensching als "MEH" von seinem diabolisch grinsend hohle Huldigungen vortragenden Partner feierlich in besagte "Epidemie" aufgenommen und mit einem schmerzhaft in die Brust gebohrten Orden ausgezeichnet wurde. Worauf er sich, tapfer die Zähne zusammenbeißend, ähnlich feierlich und ähnlich schmerzhaft revanchierte, bis beide sich qualvoll krümmend am Boden lagen. Dann leitete eine mit Hilfe der furiosen WENZEL-Band aggressiv verrockte Version ihres Klassikers "Die Kaputten sind die Nutten" über zur berühmten - natürlich - Geburtstagsszene, einschließlich der angemessen DaDa-istisch von einem Notenständer repräsentierten PIKO-Eisenbahn samt Adapter und allen akrobatischen Verrenkungen beim Aufbau derselben, was selbstredend ausgiebig Gelegenheit zu Anspielungen auf die zunehmende Gebrechlichkeit der Protagonisten gab. Es war wie eine skurrile, dabei zum Brüllen komische Zeitreise in eine untergegangene Epoche.
Das nach diesem üppigen Pensum schon reichlich geforderte Publikum hielt es nicht mehr auf den Sitzen und sang begeistert mit beim offiziellen Rausschmeißer "Ahoi, ahoi, das geht vorbei, sie kriegen uns doch alle...".
Noch ein allerletztes Nachtlied, dann gingen die Lichter wieder an und unfassbare dreieinhalb Stunden waren wie im Rausch vorbei geflogen.

Wie schrieb danach jemand bei Facebook so schön:

Ein wirklich wundervoller Abend unter Gleichgesinnten. Erholung von ignoranten Besserwissern und karrieregeilen Neureichen. Daß uns Wenzel (samt Freunden) noch lange erhalten bleibt.


Vergessen zu erwähnen hatte ich vielleicht: Es waren recht viele unheimlich junge Leute im Publikum, die den ganzen historischen Ballast nicht mit rumschleppen und "nur" über die aktuelleren Sachen zu Fans geworden sind, was dann doch immer ein bisschen hoffen lässt, dass vielleicht nicht alles umsonst war...


Darauf trinke ich gerne.

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Artikater & Fred

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Uwe
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Anmeldungsdatum: 03.08.2015
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BeitragVerfasst: 3/8/2015, 12:10  Titel:  (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Von den großen Medien will nach all den Huldigungen und Interviews im Vorfeld offenbar mal wieder keiner dabei gewesen sein (Pressekarten gab's doch sicher genügend, oder?), und so setzt sich die Zeitreise fort in der Tatsache, dass bisher lediglich die "Junge Welt" dem Ereignis einen Artikel widmet:

https://www.jungewelt.de/2015/08-03/020.php

Mit bestem Dank für die Freischaltung,

Uwe


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